Wacholdertal

Wacholdertal
Unweit Altwarps gibt es ein sehenswertes, wacholderbewachsenes Areal, das Wacholderwäldchen. Obwohl der Gemeine Wacholder in der hiesigen Gegend häufig anzutreffen ist, tritt er im Wacholderwäldchen in großen Mengen und sehr schönen Formen auf. Gleichsam mit einem über 120 Jahre alten Kiefernbestand bildet er einen sonderbaren Kontrast, den man durchaus als urwüchsig bezeichnen kann.

Gemeiner Wacholder (Juniperus communis Linne):
Klein- bis Großstrauch oder kleiner, selbst mittelgroßer Baum mit tiefangesetzter, kegelförmiger Krone und meist spannrückigem Stamm. Sehr anpassungsfähiges Pfahlwurzelsystem. Rinde braun, schon ...
Der Wacholder wächst sehr langsam, bleibt meist strauchartig, kann aber ein hohes Alter erreichen und als Baum bis 10 m hoch werden. Sehr genügsam; stellt geringe Ansprüche an den Boden, liebt trockene und sonnige Standorte und erträgt tiefe Winterkälte und Sommerdürre (Amann).

Wacholdertal
Der Wacholder, 2002 zum Baum des Jahres gewählt, fand auch die Würdigung des Nordkuriers.
Der "Baum des Jahres 2002" ist im Wacholdertal bei Altwarp zu bewundern.
Auszug aus dem Nordkurier vom 03.11.2001, Redakteur Frank Wilhelm:

Altwarp. Wenn es zu DDR-Zeiten nicht einige couragierte Förster gegeben hätte, wäre des Wacholdertal bei Altwarp schon längst verschwunden. Die Forstleute verhinderten Jahre vor der Wende, dass der mitten in einem Kiefernwald lebende Bestand des Juniperus communis L., so die lateinische Bezeichnung für den Gemeinen Wacholder, gerettet wurde, erinnert sich der Naturschützer Peter Lühmann. Die Forstbehörden wollten das für die Wirtschaft unnütz erscheinende Nadelgehölz abholzen und dafür einen weiteren Kiefernwald anpflanzen. "Schließlich wurde in der DDR jedes Brett gebraucht", erinnert sich Lühmann. "Einflussreiche Forstleute" hätten die Abholzung jedoch verhindert.

Wacholdertal
Damit kann auch im Uecker-Randow-Kreis der "Baum des Jahres 2002" gewürdigt werden. Denn das Wacholdertal stellt eine in unserer Region einmalig große Population der "Zypresse des Nordens" dar. Dass der Wacholder nun nach der Sandbirke (2000) und der Esche (2001) vom Kuratorium "Baum des Jahres" zum besonderen Gewächs gekrönt wurde, ficht Peter Lühmann wenig an. Er kennt und schützt die Schönheit der Altwarper Binnendünen schon seit langem. Wenn es darum geht, interessierten Urlaubern und Naturfreunden etwas Besonderes am Haff zu zeigen, führt er sie gerne in das Wacholdertal.

Wer sich erst einmal darauf eingelassen hat, kann sich schwer dem Reiz dieser außergewöhnlichen Landschaft entziehen. Schon wenn man von der Straße kurz vor Altwarp rechts in den Wald hineingeht, sind die ersten Wacholderbüsche zu sehen. Sanft steigen dann die Hügel der Binnendünen - ein Relikt aus der Eiszeit - an. Von der Anhöhe aus schaut man in das eigentliche Tal. Hunderte Wacholderbüsche und Bäume verschiedenster Größe stehen unter dem lichten Kieferndach.

Eine beeindruckende Ruhe beherrscht den Wald. Schnell versteht man, warum der Wacholder auch oft Sonnenanbeter genannt wird. Denn während das immergrüne Nadelgewächs in Sachen Bodenqualität sehr anspruchslos ist, braucht es sehr viel Licht. "Das findet der Wacholder hier, in dem forstwirtschaftlich nicht genutzten Kiefernbestand", sagt Peter Lühmann und zeigt auf die skurilen Formen der Kiefern, die längst nicht so dicht stehen wie in einer künstlich angepflanzten Schonung. Bretter oder Kanthölzer ließen sich aus diesem von menschlicher Hand unbeeinflusst wachsenden Wald nicht herstellen.

Wacholdertal
Zufrieden und - obwohl er schon dutzendemale im Wacholdertal war - immer wieder staunend über die Wildheit der Natur, erinnert Peter Lühmann daran, dass der Bestand gleich nach der Wende unter Schutz gestellt wurde. Als so genannter geschützter Landschaftsbestandteil (GLB) umfasst das Wacholdertal 24 Hektar und ist damit das drittgrößte GLB unter etwa 80 solchen besonderen Naturschönheiten im Uecker-Randow-Kreis. Lühmann war als damaliger Umweltamtsleiter mit federführend, dass das Tal einen Schutzstatus erhielt. Es gehört zugleich zum größten Naturschutzgebiet (NSG) des Kreises. Das NSG "Altwarper Binnendünen, Neuwarper, Riether Werder" umfasst immerhin 1460 Hektar.

Forstamt untersucht:
Allerdings bereitet dem Bundesforstamt zurzeit der Zustand der Wacholderbäume im Tal Sorgen. Zahlreiche Pflanzen trocknen von den unteren Stämmen her weg. Deshalb wurden verschiedene Abschnitte des Wacholdertals bereits auf alle möglichen Faktoren untersucht - allerdings bisher ohne überzeugendes Ergebnis. Peter Lühmann, der auch der Jagd frönt, glaubt, dass es sich hier vor allem um so genannte Fegeschäden durch das Rotwild handelt. Die Hirsche suchen sich Stämme, um den Bast von den Geweihen zu "fegen" und beschädigen dadurch die Rinde so sehr, dass selbst größere Wacholderbäume eingehen.

Heilsame Zapfen:

  • Der Wacholder ist das am weitesten verbreitete Gewächs auf der Erde. Er zählt sechs verschiedene Arten. Der Wacholder ist zweihäusig, das heißt, es gibt weibliche und männliche Pflanzen.
  • Strauchförmige Exemplare können eine Höhe von drei bis fünf Meter erreichen. Seltener kommt der baumförmige Wacholder vor, der bis zu 15 Meter hoch wird. Ein Stammdurchmesser von 50 Zentimetern ist das Maximum.
  • Wacholder vermehrt sich durch die Verbreitung über den Kot von Vögeln. Unter anderem werden die Beerenzapfen von Amseln, Wacholderdrosseln (Krammetsvögeln) und Birkhühnern gefressen.
  • Die Beerenzapfen werden für verschiedene Heilmittel verwandt, früher galten sie sogar als Mittel gegen die Pest. Als Gewürz für Wildspeisen, Sauerkraut, Gurken und Rote Rüben sind sie ein Muss. Die Beeren, in denen bis zu 30 Prozent Zucker enthalten sind, werden aber auch vergoren und zu Gin, Genever oder Steinhäger destilliert.
Eine fast unheimliche Ruhe liegt über dem Wacholdertal bei Altwarp: In dem Teil der aus der Eiszeit stammenden Binnendünen mischt sich die typisch nordische Kiefer mit dem an südliche Regionen erinnernden Wacholder.
Drei Jahre brauchen die Früchte bis zur Reife, dann sind sie dunkelblau.
Nach einer kleinen Ruhepause an der neu geschaffenen Sitzgruppe setzen wir unsere Wanderung fort. Am 25m hohen Kloppberg vorbei, fahren wir bis zum Erreichen der Südstraße den recht ordentlich befestigten Waldweg entlang. Nächstes Ziel ist Familie Zachs Räucherkate. Dort angekommen können wir uns die Köstlichkeiten des Stettiner Haffs so richtig schmecken lassen - natürlich mit einem zünftigen "Wacholder"!