Windmühle

 

Am 24.04.2003 war der folgender Artikel im Nordkurier über die Windmühle zu einem Bilderrätsels zu lesen:

Altwarp (wil/ma) Nicht ganz so schwer zu erraten war das historische Fotorätsel. Denn viele, vor allem ältere Leser wussten die Lösung. Das Bild zeigt die Holländermühle in Altwarp. "Sie gehörte früher Karl Riechert", erzählt Jürgen Brose aus Altwarp. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei ein Herr Just Verwalter der Mühle gewesen. Der habe sogar in dem Bau gewohnt. Dass es sich auf dem Foto um die Altwarper Mühle an der Südstraße handelt, weiß auch Petra Plantikow . Auf der anderen Straßenseite befand sich damals das Haus, in dem der Müller Karl Riechert lebte, erinnert sich die Altwarperin. Hinter der Mühle war ein großer Schulhof. "Als Kinder rodelten wir dort im Winter." Heute stehe die Mühle leider leer. Eine Frau, die mit am allerbesten über den alten Müller Riechert Bescheid weiß, ist Margret Stahlkopf aus Ueckermünde. Sie ist nämlich seine jüngste Tochter. Riechert wurde 1897 in Repzin nahe der heutigen polnischen Grenze geboren und stammte aus einer alten Müllerfamilie. Während seiner Wanderschaft als junger Geselle war er auch in Altwarp. Da der alte Müller Rieck in den Ruhestand ging, entschloss sich Riechert 1925, die Mühle als 28-Jähriger zu übernehmen, berichtet sie.

Bevor er sich sein eigenes Haus baute, bewohnte er ein Zimmer im Gasthof "Spiegel". Schnell verguckte er sich in die Gastwirtstochter Margarete, die er 1927 heiratete. Ein Jahr später kam die älteste Schwester von Margret Stahlkopf auf die Welt, die heute in Pasewalk lebt. 1932 bezog die Familie, inzwischen war noch ein Sohn geboren, das neue Haus auf dem Mühlberg. "Das Korn läuft mir durch die Hände wie die Sonne",dies sei der Wahlspruch ihres Vaters gewesen, erinnert sich Margret Stahlkopf.

Zweimal enteignet
Doch die Jahre des Glücks sollten nicht lange währen. Mit der Umsiedlung der Altwarper 1939 verloren auch die Riecherts ihre Mühle und das Wohnhaus. Ihr Vater habe aber in Neuwarp eine motorgetriebene Mühle übernommen. Die wechselvolle Geschichte dieser Jahre, ausgelöst durch Hitlers verhängnisvollen Zweiten Weltkrieg, sorgte dafür, dass die Deutschen 1947 Neuwarp verlassen mussten. Erneut verloren Riecherts wie viele andere Familien auch ihr Hab und Gut. Besonders bitter für Karl Riechert - die Gemeinde hatte inzwischen einen anderen Müller in "seiner" Mühle eingesetzt. Bemühungen, das Eigentum zurückzubekommen, seien gescheitert. "Meine Eltern haben aber nie viel darüber gesprochen", sagt Margret Stahlkopf. Nach 1945 war die Mühle noch einige Jahre in Betrieb, weiß Doris Zielke . Das Haus mit dem Schornstein, das unterhalb der Mühle zu sehen ist, sei 1938/39 abgerissen und anschließend neu aufgebaut worden. Heute wohnt ihr Sohn in dem Gebäude. Immer schon war die Mühle nicht nur ein Wahrzeichen Altwarps, sie diente den Fischern gleichzeitig als Orientierung, wie die Ueckermünderin Irmgard van der Heyden berichtet. Das müsse auch der letzte Betreiber gewusst haben, so Bernhard Sbach aus der Haffstadt. Da die Dorfbewohner den Müller ärgerten, habe er in den 50er Jahren kurzerhand die Flügel demontiert, damit die Mühle nicht mehr so gut sichtbar war.
Quelle: Nordkurier, Bilder: j.n.

Nachtrag:
Die Meinungen der alten Altwarper stimmen nicht mit dem obigen Bericht überein. Aber: genaues weiß man nicht?! Wie so oft liegen Dichtung und Wahrheit beieinander.
Die Flügel hat natürlich auch keiner abmontiert. Vielmehr fielen sie aus Altersschwäche allein ab. Viele ältere Einwohner erinnern sich, dass 1965 einige Flügelfragmente noch an der Mühle hingen.
Das mit den Eigentumsverhältnissen stimmt so auch nicht. Als Altwarp in Wehrmachtseigentum überging sind alle Eigentümer in Altwarp entschädigt worden sein. Sioe erhielten in Neuwarp eine neue Heimat.

Die Mühle nebst beträchtlichen Grundstück fiel nach dem Krieg in kommunale Hände (vorher Wehrmachtseigentum) und wurde anfangs der 1990-ziger Jahre durch die Gemeinde verkauft und befindet sich nunmehr in Privatbesitz.

Von der Nähe betrachtet, macht die Mühle doch einen sehr ramponierten Eindruck. Das Dach ist undicht, und fast alle Fensterscheiben sind eingeschlagen. Daneben liegt fein säuberlich zersägt die Königswelle. Der Eingang zur Mühle ist mit Bauschutt verfüllt und vor dem Inneren der Mühle graut's jeden Hund!
Die Mühle besitzt jedoch eine sehr schöne Lage. Gleich unterhalb am Fuße befindet sich das "Nachtigallenwäldchen" mit teils uralten Bäumen. Ein schöneres Kleinod gäbe es nicht in Altwarp, wenn, ja wenn ...
Vom alten Müllerhaus steht nur noch die prächtige Linde. In den siebziger Jahren wurde das Haus abgerissen.

Mittlerweile hat die Mühle einen neuen Eigentümer, der diverse Umbauten vornimmt.