Kirche und Friedhof

 

 

Begonnen wurde mit dem Bau der Kirche 1747. Der Bau  ging schleppend voran, weil es am erforderlichen Geld fehlte, obwohl einige Altwarper Familie namhafte Beträge spendeten. Trotzdem musste die Kirche noch einen Kapitalbetrag von 350 Reichstalern aufnehmen, um den Bau zu vollenden. Wegen der Armut der Gemeinde und der großen Schulden, musste auf den Turmbau verzichtet werden.

Die Kirche wurde 1752 fertig gestellt. Innen war sie bereits so weit fertig gestellt, dass sie 1750 eingeweiht werden konnte.

In der Altwarper Kirchenchronik ist das Ringen der Kirchengemeinde um einen Turm ausführlich beschrieben.
Belegt ist, dass die Altwarper Kirche 1681 einen Turm hatte. Während der schwedischen Landvermessung 1693 war der Kirchturm in den Karten vorhanden. Doch bei einem starken Sturm 1703 wurde die Kirche stark in Mitleidenschaft gezogen. Und 1718 mussten erneute Ausbesserungsarbeiten am Glockenturm vorgenommen werden. 1727 baten Pastor und Kirchenvorsteher den König Wilhelm I. in einer Bittschrift um Zuschub von Baumaterial für einen neuen Kirchturm. Der alte Turm sei sehr niedrig und baufällig und wurde in der Russenzeit arg durch Feuer in Mitleidenschaft gezogen. Indess, die Antwort des Königs blieb aus. So wurde selbst eine Reparatur durchgeführt.

Und so ist bis heute die Altwarper Kirche ohne Turm geblieben. So sucht man von See her vergebens einen markanten Punkt, der die Silhouette des Dorfes bestimmt. Als Ersatz diente ein Glockenstuhl gleich neben der Kirche.

Die Kirche ist eine spätbarocke Ausführung als schlichter Steinbau ausgeführt. Wie viele anderen Kirchen im nördlichen Raum ist sie mit einem Votivschiff versehen (Votivschiff "Hoffnung" von 1954 - Ersatz einer Fregatte von 1842). Glockenstuhl

 Ein freistehender Glockenstuhl mit 3 Glocken wurde 1894 neu aufgebaut.
Infolge des 1. Weltkrieges wurden Glocken und Orgelpfeifen beschlagnahmt und für die Kriegsproduktion verwendet. Das Vorhaben zum Aufbau eines Kirchturmes wurde nun endgültig aufgegeben. 1922 konnten 2 neue Glocken geweiht werden.

Grünebergorgel, Flügelaltar (17. Jh.), Kanzel mit Schalldeckel (18. Jh.), Altarrelief von H. Kohte/Stettin, Taufengel und Gestühl (18.Jh.), Totentafel von J. Schwarz, 1662, Friedhof mit historischen Grabanlagen, Pfarrhaus.

 Wo Grabsteine die Geschichte eines Dorfes erzählen

Das Altwarp nicht nur ein altes Fischerdorf ist, sondern schon seit frühen Jahren mit der Seefahrt verbunden war, merkt man bei einem Gang über den Friedhof. Der Friedhof mit seinen historischen Gräbern erzählt wie kein anderer die Geschichte Altwarps auch als Seefahrerdorf.
Die Besucher können die Kapitänsgrabsteine von Schiffskapitän Wilhelm Eduard Moritz (1810-1908), Schiffskapitän Wilhelm Uecker (1844-1901), Schiffskapitän Hermann Krüger (1850-1881), Kapitän Robert Laasch (1850-1929), Schiffskapitän Richard Sprenger (1853-1913), Schiffskapitän Carl Sprenger (1854-1891), Schiffskapitän Eduard Schröder (1854-1914), Kapitän Herrmann Krüger (1859-1938), Kapitän Wilhelm Schmidt (1861-1930), Schiffskapitän und Ltn. Z. See d.R. Wilhelm Blanck (1885-1918), Kapitän Friedrich Stark (1886-1952), Kapitän Joachim Schmidt (1920-1997) entdecken. Auch Pastor Otto Schu (1855-1932) fand hier seine Ruhestätte.

Anders als in der Großen Fahrt waren die Kapitäne früher auf den Küstenschiffen häufig zugleich auch die Eigner. Seemännisches Können, Geschäftstüchtigkeit und Sparsamkeit zählten zu den wichtigsten Eigenschaften, um im harten Konkurrenzkampf bestehen zu können. Wer als Junge, Matrose oder Steuermann auf einem Küstenschiff anheuerte, durfte nicht gerade mit komfortablen Unterkünften, üppigem Essen und einer guten Heuer rechnen. Stattdessen war harte Arbeit zu leisten - auf See genauso wie beim Laden und Löschen im Hafen.

 Um die vorige Jahrhundertwende transportierten einige tausend kleine und kleinste Küstensegler verschiedener Typen landwirtschaftliche Güter, Kohle, Baumaterialien und Dinge des täglichen Bedarfs von kleinen und größeren Häfen bis in die entlegensten Winkel der Ostsee. Als der Swinemünder Hafen ausgebaggert war übernahmen 10 Leichterschiffe aus Altwarp (1751) die Waren und beförderten sie nach Stettin. Altwarper Kapitäne befuhren auch die großen Meere und brachten Reichtum ins Dorf. Von bis zu acht Seeschiffen ist 1862 die Rede. Altwarper Flussschiffer beförderten mit Kähnen schwere Frachten auf der Oder in Richtung Schlesien oder Böhmen hinauf.

 So dürften viele Altwarper sich einen mehr als bescheidenen Wohlstand erarbeitet haben. Den Wettbewerb im Nahtransport verlor die Kleinschifffahrt noch vor dem Ersten Weltkrieg gegen die wie Pilze aus dem Boden sprießenden Kleinbahnen. Die lokalen Bahnen mussten sich letztlich dem Lastkraftwagen geschlagen geben.

Bei längeren Distanzen und größeren Mengen konnte sich die Küstenschifffahrt rund ein Jahrhundert bestens behaupten.

Die Schiffe wurden größer, Holz als Schiffbaumaterial wich dem Eisen und dieses bald dem Stahl. So fand auch die Küstenschifferei in Altwarp ihren Niedergang. Kleine Motoren dienten zunächst als ‚Flautenschieber'. Mit zunehmender Entwicklungsreife übernahmen sie mehr und mehr den Hauptantrieb. Aus Seglern entstanden Motorsegler, bis ab Mitte der 1930er Jahre nur noch reine Motorschiffe gebaut wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg präsentierte sich die deutsche Küstenschiffsflotte klein und hoffnungslos überaltert und die wenigen Neubauten wurden Kriegsverluste oder alliierte Beute. Die noch verbliebenen Werften bauten Fischereiboote oder gaben auf.