Hagenshöhe

Als 1952 der Landkreis Ueckermünde zu einem Schwerpunkt-Konzentrationsgebiet der Entwicklung der Kasernierten Volkspolizei (KVP) wurde, erhielt Altwarp erneut den Status eines Militärstandortes. Teile einer "Mechanisierten Bereitschaft Eggesin" wurden hierher verlegt und stationiert. In Zelten und Feldparks wurden in den Wäldern rund um Altwarp von Juli bis September 1952 die ersten Einheiten aufgestellt. Im Standort Altwarp I, in der Nähe der jetztigen Siedlung Altwarp, wurden ab Herbst 1952 folgende Einheiten stationiert:

1952

  • Dienststelle "Dienst für Deutschland",
  • S-5 Kommando, (S-5 war die Tarnbezeichnung für Flakartillerie in HVA (Hauptverwaltung Ausbildung) und KVP,
  • Kraftfahrzeugkompanie,
  • Fraftfahrzeugschule,

1954

  • S-6 Kommando (Granatwerfer, heute Minenwerfer?!)

Ab September 1952 wurde mit dem Bau der ersten Kasernen begonnen, die im Frühjahr 1954 im wesentlichen fertiggestellt wurden. Im Winter 1952/53 wurden die Einheiten in ihre Winterquartiere zurückverlegt.
Der Bau der Wohnsiedlung Altwarp I begann 1954 und wurde 1956 fertiggestellt. Hier wohnten ca. 70 Berufssoldaten mit ihren Familien.
Am 15.09.1956 wurde die 9. Panzerdivision der NVA bei Eggesin aufgestellt. Aus dem S-5 Kommando in Altwarp wurde das Flakregiment-9. 1957 erhielt dieses Regiment mit Fla-SFL (Fliegerabwehr-Selbstfahrlafette) - 57 mm neue Technik. Am 01.03.1959 erfolgte die Übergabe der Truppenfahne an das Flakregiment-9.
Im August 1961 erfolgte der Umzug des Flakregimentes in den Standort Eggesin/Karpin. Die Kraftfahrzeugkompanie und die Kraftfahrzeugschule blieben bestehen. 1956 entstand auch die Kfz.-Werkstatt-9 in Altwarp, die 1961 mit in den Standort Eggesin/Karpin verlegt wurde.

In den nun leer stehenden Gebäuden und Werkstätten  wurden ab Frühjahr 1962 Einheiten der Rückwärtigen Dienste der 3. LVD (Luftverteidigungsdivision) bis 1990 stationiert. Es waren die KfZ- Reparaturwerkstatt 33, Chemisches- und Pioniergerätelager 33, KfZ- Gerätelager 33, Lager für Bekleidung und Ausrüstung 33, usw.

In der zweiten Entwicklungsetappe des Aufbaus der LSK/LV (Luftstreitkräfte / Luftverteidigung) formierten sich 1961 die bisherigen Fliegerdivisionen, Waffengattungen, Spezialtruppen und Diensten zu zwei gemischten Luftverteidigungsdivisionen mit neuen Aufgabenschwerpunkten.
Die 3. LVD war im Norden beheimatet. Der Gefechtsstand der Division befand sich in Cölpin bei Neubrandenburg, während sich der Stab in den Kasernenanlagen um den Flugplatz Trollenhagen befand.

In der Zeit von 1961 bis 1964 wurden fünf Fla.-Raketenregimenter (FRR) mit je vier Feuerabteilungen und einer Technischen Abteilung neu aufgebaut und den Luftverteidigungsdivisionen zugeordnet. So wurde 1961 in Stallberg, im ehemaligen Landkreis Pasewalk, das Fla.- Raketenregiment-17 aufgebaut und stationiert (Stab und Technische Abteilung), davon die 1. Fla.- Raketenabteilung (FRA-171) in Altwarp.

Mitte der 1970ger Jahre kam es zu Strukturveränderungen und 1981 wurde das Fla.- Raketenregiment-17 Stallberg in Fla.- Raketenregiment-23 umbenannt. Die Fla.- Raketenabteilung Altwarp war nun die FRA-231.

Die Kommandeure der Fla.- Raketenabteilung in Altwarp waren:
Major Fritz, Oberstltn. Heimbuch, Oberstltn. Dietzschold, Oberstltn. Seidel und Oberstltn. Löffler. Die Flaraketenabteilung wurde 1990 aufgelöst. Des weiteren lag in Altwarp-Dorf ein Stützpunkt der Grenzbrigade/Küste mit zwei Schiffen und ca. 30 Mann.

Viele Altwarper Einwohnerinnen und Einwohner der umliegenden Dörfer fanden als Zivilangestellte in den NVA- Dienststellen bis 1990 Lohn und Brot. Etliche der aus Sachsen, Thüringen oder anderen Landstrichen stammenden Soldaten fanden in Altwarp die Liebe ihres Lebens und wurden hier heimisch. Die Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit bewohnten wegen der Nähe zur Dienstelle die Siedlung.

Die Fla- Raketenabteilung war in den Anfangsjahren mit einem hohen Geheimnisgrad versehen. Die einzelnen Bereiche wurden als Objekte bezeichnet. Es gab da das B-1 Objekt, B-2 Objekt, usw. Wahrscheinlich nannte man deshalb die Soldaten auch die "Objekter". Raketen wurden nur nachts unter großen Sicherheitsauflagen bewegt. Kaum ein Altwarper wird eine Rakete je zu Gesicht bekommen haben. Das Technik verbarg sich in einem stark bewachten Areal, mitten im Wald. Diese Geheimniskrämerei wurde auch nach den "Nahostkriegen" beibehalten, in denen diese Waffen auch der gegnerischen Seite in die Hände gefallen waren.


Wer sich dennoch dafür interessiert, der mag sich hier die kleine Brüschüre ansehen.
Raketen in Altwarp- "Streng geheim!"

 

Quelle: "Militärgeschichtliche Skizzen über den Landkreis Ueckermünde 1949-1990" von Willi Eckert

Die Liegenschaft der ehemaligen NVA- Dienststelle wurde an Privat veräußert. Weitreichende Pläne einer Gewerbeansiedlung konnten nicht verwirklicht werden. Verschiedene Gebäude wurden mit Photovoltaikanlagen bestückt. Die restlichen Gebäude sind dem Verfall preisgegeben.

In der Heimatstube Altwarp findet der Besucher eine Broschüre:
"Truppenübungsplatz der Wehrmacht Altwarp 1939 bis 1945", Autor: Herr Dietmar Materna. Nur aufmerksame Besucher finden in und um Altwarp eher durch Zufall noch rudimentäre Überbleibsel aus dieser Zeit.

Die Halbinsel wird Flakschießplatz

Das Fischerdorf Altwarp am Stettiner Haff hatte bereits eine lange Geschichte, bevor dieser  Idylle „hart am Wasser" zu Beginn des Jahres 1938 von der Wehrmacht entdeckt und letztendlich zum Truppenübungsplatz des Heeres auserkoren wurde. Seit der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert fanden Sommerfrischler und Kunstsinnige diesen Ort weit ab vom Großstadtgetriebe als Gegenstück zwischen immer hektischer werdenden Verkehr verbunden mit deutlich wahrnehmender Luftverschmutzung und unerträglich erscheinender Geräuschbelästigung, gerade richtig zum Durchatmen und Entspannen.

Altwarp wird Luft-, Kur- und Erholungsort und für die Altwarper wird der aufkommende Tourismus neben Fischfang und Schifffahrt zur neuen Einnahmequelle. Die Verbindungswege über Wasser sind die sichersten. Reisedampfer aus Stettin und Fährschiffe bringen die Sommergäste, meist aus Berlin kommend, aus der gegenüber liegenden Kleinstadt Neuwarp (heute Polen) herüber. Die Wege in die Kreisstadt Ueckermünde und nach Luckow sind zu sandig für größere Touristenströme. So bleibt die Anzahl der Sommergäste bescheiden und ein Spaziergang zum Trendel mit Badespaß im flachen Wasser könnte schon der Höhepunkt des Aufenthaltes gewesen sein.

Die Kriegsvorbereitungen werden ab 1935 immer offensichtlicher. Aus der Reichswehr formiert sich die Wehrmacht neu. Zu den beiden Waffengattungen Heer und Marine kam neu die Luftwaffe hinzu. Aber was hatte das mit dem stillen Fischerdorf Altwarp zu tun?
Die Küstenlandschaft mit weitem unbewohntem Hinterland wurde insbesondere für die Flakartillerie interessant. Altwarp sollte Flak- Schießplatz werden. Die Aufstellung der Flakartillerie war in Deutschland laut Versailler Vertrag von 1919 verboten und erfolgte im Rahmen des Heeres zunächst geheim. Mit Beginn der offenen Aufrüstung wurde die Flakartillerie 1934  in die Luftwaffe überführt. Damit war die Luftwaffe für die Luftabwehr zuständig und verfügte auch über die Fla- Schulen und Ausbildungsplätze. Die in diesen Einheiten tätigen Angehörigen der Reichswehr/Heer wurden meistens von der Luftwaffe übernommen. Es sollte sich aber bald herausstellen, dass auch im Heer für die Truppenluftabwehr zwingend eigene Fla- Einheiten aufgestellt und entsprechend ausgebildet werden mussten.
Bei der Suche eines geeigneten Übungsplatzes im Ostseeraum kam die dafür zuständige 4. Abteilung des Generalstabes im Oberkommando des Heeres auf die Halbinsel im Stettiner Haff, die sie für das Scharf- und Übungsschießen und zur Errichtung der entsprechenden Einrichtungen für gut befand.

Die Halbinsel wurde militärisches Sperrgebiet. In einer Chronologie wird der Versuch unternommen, die wesentlichen Ereignisse und Zusammenhänge bei der Errichtung des Truppenübungsplatzes Altwarp mit seinen Folgen für die Einwohner darzustellen. In Form einer Spurensuche und Rekonstruktion soll die Dorfstruktur Altwarps um 1938 vor Übernahme durch die Wehrmacht, die Anlage der neu entstandenen Siedlung Altstadt nordlich Neuwarps und die Lage der Einrichtungen des Übungsplatzes veranschaulicht werden. Hier wurde aufgrund fehlender Dokumente auf die Erinnerungen von Zeitzeugen zurückgegriffen. Oft ließen sich erst dadurch die Reste baulicher Einrichtungen deuten und einordnen. Dieser Überblick kann aus genannten Gründen nicht vollständig und umfassend sein und ist mehr als ein Beitrag zur Dorfgeschichte Altwarps zu verstehen.

Altwarp zwischen 1938 und 1945

Altwarp verabschiedet sich von der zivilen Welt. Ein idyllisches Fischerdorf am Stettiner Haff mit jährlich mehr als fünfhundert Feriengästen wird Sperrgebiet. Der Schicksalsweg von Ortschaften, die ins Visier der Militärs geraten, sind oft dem Untergang geweiht, wie die Geschichte deutscher Truppenübungsplätze seit der Kaiserzeit verbunden gewesen ist.  Altwarp hatte sein eigenes unverwechselbares Schicksal. Viele reetgedeckte Fachwerkhäuser wurden Opfer militärischer Übungen und Baumaßnahmen der Wehrmacht. In die stattlichen Villen und Kapitänshäuser quartierten sich die Herren von Kommandantur, Standort- und Gutsverwaltung und besonderer militärischer Einheiten ein.
Die nur kurze Lebensdauer des Truppenübungsplatzes führte aber dazu, dass Altwarp in seiner wesentlichen Dorfstruktur erhalten blieb.

Ein besonderer Schicksalsschlag war die im Zuge der Entstehung des militärischen Sperrgebietes erfolgte Umsiedlung der Altwarper Bevölkerung in die umliegenden Ortschaften. Schwerpunkt bildeten dabei Neuwarp (Nowe Warpno, Polen) auf der gegenüber liegenden Uferseite und Altstadt (Podgornice), eine Siedlung nördlich von Neuwarp, die eigens für die Fischer neu errichtet wurde.

Mit Ende des Zweiten Weltkrieges verlief plötzlich eine Staatsgrenze zwischen Neuwarp und Altwarp. Das bedeutete, dass die bis dahin noch nicht geflüchtete Bevölkerung wieder umgesiedelt, zum Teil regelrecht vertrieben wurde. Die Altwarper kamen nicht zur Ruhe. Jetzt waren die Altwarper Häuser nicht mehr ihr Eigentum. Die einen zogen gleich weiter Richtung Westen, andere richteten sich in den neuen Eigentumsverhältnissen ein. Nur langsam fanden so alte und neue Altwarper auf ihrem idyllischen Flecken zueinander und werden hoffentlich das Dorf noch lange als zivile Gemeinde erhalten.

Altstadt von 1939 bis 1946

Ein Blick vom Altwarper Hafen zur anderen Uferseite verrät keine Besonderheiten. Schilfgürtel und bläulich schimmernder Wald. Wie müssen sich die Altwarper Fischer gefühlt haben, als sie wussten, dass sie ihren Ort verlassen sollen, um ihn einzutauschen gegen eine Neubausiedlung. Oder war die andere Uferseite sogar der Heimatverlust? Immerhin waren die neuen Häuser mit Nebengebäude auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet. Strom- und Wasserversorgung waren auf den neusten Stand. Zur Küchenausstattung gehörte ein Elektroherd. Der Weg in die Stadt war jetzt näher. Eine Badeanstalt und viel Wald gab es auch hier. Der Fischhandel ging ohnehin über Neuwarp. Man hatte weitere soziale Einrichtungen und eine feste Straße in die Stadt versprochen. Aber man war eben kein Neuwarper sondern ein Altwarper.

Die erzwungene Umsiedlung ist nach außen ein Vorgang, dahinter stehen viele Einzelschicksale. Die Fischer sind mit der Anlage des Hafens nicht zufrieden und der Schießbetrieb auf der anderen Seite schränkt ihre Fanggründe ein. Man richtet sich ein. Fischer sind Härte gewöhnt. In der Siedlung gibt es den Kaufmannsladen Schütz, Bäcker Löhn, Fischhändler Tuchscherer und die Ausflugsgasstätte Goets am Kirchhaken.

Die Kinder nehmen die neue Umgebung schnell an. Der große Obstgarten von Bauer Menzel wird einer der vielen Erkundungsorte. Weniger gut in Erinnerung blieben der Wiesen- und Waldweg zur Schule in die Stadt, je nach Wetterlage. Für ein Kind war das noch eine große Entfernung. Ab 1943 sieht man immer häufiger feindliche Flugzeuge. Sie fliegen in Staffeln Richtung Stettin und Pölitz. Langsam gewöhnt man sich dran, auch wenn sie die Boten des nahenden Krieges sind.  Im April 1945 trifft auch in Altstadt die sowjetische Armee mit ihren langen Stangen ein, auf der Suche nach vergrabenen Gegenständen. Wer bis dahin noch nicht Richtung Westen geflüchtet ist muss bleiben. Erst unter russischer dann unter polnischer Verwaltung, ab Oktober 1946 ist man jetzt in einem anderen Staat.

Die Grenze zwischen dem nunmehr polnischen Nowo Warpno und Altwarp läst sich nicht mehr einfach überwinden. Es kommt zu einigen dramatischen und tödlich endenden Übergriffen. Ab Februar 1946 beginnen die ersten Ausweisungen. Ist eine schriftliche Aufforderung an der Tür muss es auch schon schnell gehen. Wer nicht bis zur Aufforderung warten will, wählt die gefährliche Flucht über das Haff. In einer Nacht im April 1946 will man einer bevorstehenden Ausweisung zuvor kommen. Von Steinort geht es mit 12 Personen in einer kleinen Ruderjolle über das Half nach Altwarp. Nach der zweiten Umsiedlung wohnen die Altwarper wieder in Altwarp, wenn auch nicht in "ihren" Häusern. So ist und bleibt die achtjährige Altstadter Geschichte ein Teil der Altwarper Geschichte.


Ausführliche Informationen erhalten Sie  in der Broschüre "Truppenübungsplatz Altwarp"

Wild in der Ueckermünder Heide

Freiherr Egon von Kapher

Die Waldungen dieser Gegend Mittelvorpommerns bestehen größtenteils aus Nadelholz. Der Boden ist leicht und sandig und wechselt sich mit großen, sumpfigen Wiesenniederungen zwischen den ausgedehnten Wäldern, z.B. die mit Weiden bestockten feuchten Wiesen an der Uecker oder der Friedländer Wiese, ab. In der Mitte des Kreises liegt der „Seegrund“ zwischen Ahlbeck, Ludwigshof und Gegensee.

Hier wurde ein großer fischreicher See durch einen Kanal in den Neuwarper Haffbusen abgelassen und es entstand ein brachliegendes Gelände daraus.
In dem seenreichen Gebiet, welches Fischreichtum birgt, ist in den letzten Jahren ein starkes Fischesterben zu beobachten gewesen, welches durch Abwässer aus dem Süden, so in der Uecker und am Haff entstanden ist. Im Westen gibt es mehr Mischwald als im Osten z.B. den Rothemühler Forst und zum Teil auch in der Jädkemühler Forst südlich von Mönkebude. Ab der Mitte des Kreises weist der Forst von Torgelow, der Südteil der Jädkemühler Forst und der Neuenkruger Forst am meisten Nadelholz auf, so auch der Ueckermünder Stadtforst, der aber auch etwas Laubholz und Mischbestände aufweist. Mehr Laubholz befindet sich im Privatforst und auch im Eggesiner Staatsforst, während der Warsiner Privatforst, der von den früheren Besitzern fast völlig zu Geld und einer Einöde gemacht worden ist, fast nur Kiefernbestände aufweist. Nur Kieferbestände gibt es im Altwarper Gemeindeforst sowie im Neuwarper und Albrechtsdorfer Forst.

Und auch die großen Staatsforsten von Rieth, Mützelburg und Ziegenort und der Nordteil der Forst von Falkenwalde sind zum größten Teil Nadelholzforsten.

Diese Art Waldungen, die nach dem Kahlschlagsystem u. Kiefernreinkultur bewirtschaftet sind,Rotwild können keine Wildheimat mehr bilden. Der Kiefernwald, besonders ausgedehnte Kulturen und Junghölzer bieten zwar dem Wild tagsüber gute Deckung, geben ihm aber keine Äsung, nur das Heidekraut kommt besonders als Winteräsung in Frage und leistet besonders dem Rehwild gute Dienste. Ein guter Bestand von Wacholdern kommt in den Ödländereien bei Altwarp und an anderen Stellen dazu, was eine gute Äsung für das Wild, besonders im Winter bedeutet. Während die Erlenbrüche ziemlich kahle Böden oder harte, saure Gräser aufweisen, die dem Wild zwar Deckung geben aber kaum gute Äsung. Besser sind die ausgedehnten Weidenbrüche und die eingesprengten Waldwiesen, wenn sie nicht zu sauer und zu sumpfig sind. Nirgends reicht die Waldäsung in den Forsten des Kreises um Hochwild und Rehwild zu ernähren. Auch für das Schwarzwild gibt es nicht genug Nahrung, da Buchen- u. Eichenbestände gering sind. Dadurch haben die Bauern auf den Feldern hohen Schaden.


Rotwild

Das Gewicht des Rotwilds ist sehr gering, infolge nicht fachgemäßer Abschusswirtschaft im letzten Jahrhundert. Selbst das Rotwild der Mark Brandenburg ist im Durchschnitt stärker und schwerer, oder das Wild mancher Gegenden Ostpommerns oder der Umgegend von Altentreptow, Demmin, Tribsees usw.
zwei Grundtypen von Rotwild:

  1. langgestreckter, hellgefärbter Hirsch
  2. kurzgebauter, dunkelgefärbter Hirsch, sowie Übergangstypen.

Zu b) scheint in alter Zeit allmählich zugewandert zu sein von Süden, während
a) der typische „Küstenhirsch“, der ursprünglich Einheimische ist.

Unterschiede in der Geweihbildung:

zu a) trägt meist wenige aber lange Enden, oft schlechte Geweihform, und Schaufelkrone, oder oft keine Kronenbildung, hin und wieder der sogenannte Wolfssproß, also ein „fünfsprossiger“ Hirsch, zu b) meist ein richtiger Kronenhirsch mit besserer Geweihform und fast immer „viersprossig“.

Vor 1918 setzte nur der staatliche Oberförster alljährlich den Bestand an Rotwild in seiDamwild

nen Revieren fest, meldete ihn an die Regierung und bekam dann seinen Abschussetat zugestellt. Die Regierung der Nachkriegszeit bestimmte dass sowohl die unteren u. mittleren Forstbeamten ihren Rotwildstand zu melden hatten. Dadurch bessere Übersicht der Reviere eines Forstmeisters. Klares Urteil über Gesamtbestand der Oberförsterei, jedoch ist es nur ein vermeintlicher Bestand, da ein Rudel an unterschiedlichen Stellen gesehen werden und dann mehrfach gezählt wird. Das ist die Hauptursache der hohen Abschussziffern, die von der Regierung angesetzt wurden.

Früher gab es zu wenig Hirsche, da Privatbesitz und Pachtjagden zu viel Geweihträger abschossen. In manchen Oberförstereien ist es umgekehrt: Es gibt fast kein Kahlwild! Dazu kam die liberal gehandh

abte Erteilung von Abschusserlaubnissen an Jagdpächter wegen des Wildschadens. Der Rotwildbestand is

t sehr zusammengeschmolzen und bedarf der Erholung. Eine Besserung ist nur möglich durch erf

ahrene Altmeister des Waldwerks, Männer die durch und durch Jagdzoologen sind und auf langjährige Praxis als Hochwildjäger zurückblicken können und mit inniger Zusammenarbeit mit staatlichen Oberförstern.


Damwild

Ist im Kreis Ueckermünde nur wenig vorhanden, zugewandert aus Gattern alter Zeiten. Eine vollständige Schonung ist notwendig, auf viele Jahre hinaus.

 

Schwarzwild

Schwarzwild

Sauen sind nirgends mehr zahlreich vertreten, und haben ein sehr schwaches Gewicht. Durch die Räude ist der Bestand stark zurückgegangen, zur Freude der Bauern und kleinen Jagdpächter und zum Ärger der Forstleute.


Rehwild

ähnlich wie Rotwild, zwei Typen:

  1. heller, schwerer, langgestreckter Kopf
  2. dunkelroter, leichter, kurzer gedrungener Kopf

Gehörnbildung lässt sehr zu wünschen übrig. Durch Grenzschießerei, Mangel an Winterfütterung, rücksichtsloser Abschuss von kleinen Jagdpächtern und ungebildeten Jägern gab es sehr schlimme Folgen, ein klägliches Gewicht der Rehe.
Durch übermäßigen Abschuss von Böcken u. Böckchen und dadurch bedingtem schlechten Geschlechtsverhältnis, gibt es kaum starke Böcke die sich gut vererben konnten. Außerdem erschwerte das unglückselige, am grünen Tisch ausgedachte Abschussverbot weiblicher Rehkitze die Hege ungeheuer. Und was an sogenannten G

Rehwild

eltricken u. Schmalrehen abgeknallt wurde war alles andere als es sein sollte.
Die Hege mit der Büchse hat in kleineren Privatrevieren fast ganz gefehlt und war in Gemeinde-pachtrevieren noch schlechter. Hoffnung auf Besserung durch neues Jagdgesetz.


Niederjagd

guter Hasenbestand, durch warmen Boden, übermäßige Vermehrung von Wildkaninchen, dadurch wird er in seinen Lebensbedingungen gestört u. verdrängt.
Füchse gibt es in großer Menge, aber der Dachs ist stark zurückgegangen. Fasane sind in geringer Menge vorhanden.

Birkwild tritt auch vereinzelt auf. In der Gemeindejagd Altwarp wurde vor dem Krieg schwedisches Birkwild ausgesetzt, welches sich anfangs gut entwickelte, doch durch übermäßiges Abhacken der Maien (Birken) ging der Stand drastisch zurück.

Es gibt reichliche Bestände an Rebhühnern in günstigen Gegenden, aber nicht wo große, geschlossene Forsten sind.Birkwild

Viele Feldhühner in den Buschländereien von Altwarp u. Umgebung. Durch radikales Abhacken dieser Eichengestrüpp-waldungen, um Waldkulturen Platz zu machen, sind diese missglückt. Dadurch gibt es keine Deckung und somit findet eine Abwanderung statt. Das Feldhuhn ist ein sonderbarer Vogel! Durch den Wandertrieb des Steppenvogels, er tritt in unterschiedlicher Menge auf besonders im Südosten Europas.

Die Entenjagd am Haff hat sehr gelitten, nicht durch übermäßigen Abschuß sondern weil die Fischerbevölkerung rücksichtslosen Eierdiebstahl begeht.

Nur das schwarze Wasserhuhn sowie die Taucher haben sich gehalten, obwohl auch auf sie, vor allem in den letzten Jahren rücksichtslos geschossen wurde. Der Vogelfreund hat noch einige Freunde: Fischreiher, Taucher, Seeadler u. selten auch Fischadler. Das Abnehmen der schönen, melodisch pfeifenden

Feldhuhn

  Feldhase

Kronschnepfe und des Kibitz ist auch ein Ergebnis der wüsten Nestplünderei. Bekassinen gibt es noch reichlich, aber nicht die Doppelschnepfe oder Großbekassine. Der Waldschnepfenstand ist mangelhaft und im Rückgang.

 

 

 

 

 

Quelle: http://www.touristischer-routenplaner.de/TRP-Uecker-Randow/jagd_historisch.php?menuindex=30

Altwarp ist nicht nur ein altes Fischerdorf, es ist schon seit frühen Jahren mit der Seefahrt verbunden. Das merkt man bei einem Gang über den Friedhof. Der Friedhof mit seinen historischen Gräbern erzählt wie kein anderer die Geschichte Altwarps auch als Seefahrerdorf.
Die Besucher dort können alte Kapitänsgrabsteine von Schiffskapitänen entdecken.

Anders als in der Großen Fahrt waren die Kapitäne früher auf den Küstenschiffen häufig zugleich auch die Eigner. Seemännisches Können, Geschäftstüchtigkeit und Sparsamkeit zählten zu den wichtigsten Eigenschaften, um im harten Konkurrenzkampf bestehen zu können. Wer als Junge, Matrose oder Steuermann auf einem Küstenschiff anheuerte, durfte nicht gerade mit komfortablen Unterkünften, üppigem Essen und einer guten Heuer rechnen. Stattdessen war harte Arbeit zu leisten - auf See genauso wie beim Laden und Löschen im Hafen.

Um die vorige Jahrhundertwende transportierten einige tausend kleine und kleinste Küstensegler verschiedener Typen landwirtschaftliche Güter, Kohle, Ziegelsteine, Holz und Dinge des täglichen Bedarfs von kleinen und größeren Häfen bis in die entlegensten Winkel der Ostsee. Als der Swinemünder Hafen ausgebaggert war übernahmen 10 Leichterschiffe aus Altwarp (1751) die Waren und beförderten sie nach Stettin. Altwarper Kapitäne befuhren auch die großen Meere und brachten Reichtum ins Dorf. Von bis zu acht Seeschiffen ist 1862 die Rede. Altwarper Flussschiffer beförderten mit Kähnen schwere Frachten auf der Oder in Richtung Schlesien oder Böhmen hinauf.

Aus alten Unterlagen und historischen Aufzeichnungen geht hervor, dass der Schiffsverkehr im Stettiner Haff stark ausgebaut war. Allein im Nachbarort Neuwarp gab es drei Bootswerften.
So schreibt die Chronik, dass es um 1751 verschiedene Schiffswerften auch in Altwarp gegeben haben soll. Erwähnt sind um die gleiche Zeit :

  • 9 Leichter zu 20 Lasten
  • 1 Leichter zu 15 Lasten
  • 6 Holzschiffe zu 20 Lasten
  • 1 Holzschiff zu 45 Lasten
  • 1 Holzschiff zu 35 Lasten
  • und 1 Holzschiff zu 20 Lasten erwähnt.

1862 sind 8 Segler zu 1000 Lasten und 80 Mannschaften erwähnt und die Flußschifffahrt wird mit 14 Fahrzeugen zu 187 Lasten angegeben.

Leichter, Lichter, Leichterfahrzeuge (Leichterschiffe, Lichterschiffe, Bordinge, Prähme oder Schuten), kleinere Fahrzeuge, welche die Ladung aus Schiffen zur Überführung an das Land aufnehmen.

Schiffslast, das Maß, nach dem die Schiffsfrachten berechnet werden. In Deutschland ist sie seit 1872 einheitlich die Tonne von 1000 kg, und der Raumgehalt der Schiffe wird durch das Kubikmeter = 0,35317 Reg.-Ton. gemessen. Vorher in Preußen und Hannover (Roggenlast) 4000 Pfund = 1870,84 kg, in Mecklenburg = 2032,92 kg, in Lübeck = 5000 Pfund = 2432,37 kg, in Bremen = 1994 kg etc., seit 1858 mit geringen Ausnahmen 40 Zollzentner= 2000 kg.

Die Leichter wurden hauptsächlich zur Bewältigung der Warenströme von und nach Stettin eingesetzt, da zur damaligen Zeit keine direkte Verbindung zwischen Ostsee und Stettiner Haff bestand und das Fahrwasser der Swine für Seeschiffe zu flach war. Erst mit einem Kanalbau änderte sich der Zustand.

1875 bis 1890 wurde eine 12 Kilometer langer Schifffahrtstraße - die Kaiserfahrt -  mit einer Wassertiefe von etwa zehn Metern von Swinemünde in das Stettiner Haff gebaut. Sie begünstigte die Schiffahrt zwischen der Ostsee und Stettin ( Szczecin ) erheblich und trug zu einem starken wirtschaftlichen Aufstieg Stettins bei.

Des weiteren fuhren Altwarper Schiffer Bauholz und Brennholz, welches in der Ueckermünder Heide geschlagen wurde bis nach Stralsund, Holstein und Kopenhagen. Des weiteren wurden Ziegelsteine aus der Vielzahl der um das Haff existierenden Ziegeleien und Steinkohle in die entlegensten Winkel transportiert.

Mit der Entwicklung der Eisenbahn, Erweiterung des Straßennetzes und der technischen Entwicklung der Antriebsmaschinen verlor die Schifffahrt im Stettiner Haff und die Flußschifffahrt ihre Bedeutung.

EliseEin Zeitzeuge aus den 1920ger  Jahren war das Segelschiff namens "Elise". Herr Fritz Gäde aus Hamburg übermittelte folgende Schiffsdaten über das ihm bekannte Segelschiff. Auch ein Zeitzeuge in Altwarp konnte noch ausfindig gemacht werden.
Der Altwarper Gerhard Krüger, ein Enkel des 1952 verstorbenen Schiffers kann sich noch gut an seinen Großvater, vor allem dessen Befürchtungen, und das Schiff erinnern.
... Du bist zu langsam mit Deinem Schiff, Du bist zu langsam! - bekam er ständig von seinem Charterer zu hören. Und so baute er sich einen Gasmotor ein. Der Einbau, die Instandhaltung und Wartung überstiegen aber seine finanziellen Möglichkeiten. Er ging "Pleite"!
Und so wurde die Elise in der Nähe Stettins, bei Grabow in einem Seitenarm festgelegt. Wie Herr Krüger erzählte, fuhr man auf dem Wege nach Stettin noch oftmals an dem Schiff vorbei. Eines Tages aber hatte sie Schlagseite. Das weitere Schicksal ist unbekannt. Sicher wird es in dieser Zeit tausenden Schiffen so ergangen sein.

Angaben zum Schiff:

  • ELISE, Unterscheidungssignal JGCD
  • Gaffelschoner aus Eiche mit eichenen Innhölzern, buchenem Kiel und verzinkten Eisenbolzen, nach Vorschrift von Bureau Veritas gebaut
  • gebaut 1909 von Leopold Fünning in Neuwarp
  • Vermessung: 51,19 BRT 39,34 NRT, amtl. Abmessungen: 19,99 x 5,86 x 1,98 m, erhöhtes Quarterdeck 4,50 m
  • 3 Mann Besatzung
  • 1909 Neubau für Kapt. Eduard Krüger, Altwarp, geb. 1879
  • 1926 Einbau eines Explosionsmotors der Fa. Deutsche Werke A.G., Kiel 2 Tkt 2 Zyl. 28 PS
  • 1934 neues US: DAMJ
  • 1936/37 vkft. an Kapt. Artur Oelrichs, Altwarp, 1938 noch verzeichnet, 1939 nicht mehr. Weiteres Schicksal unbekannt.

Für L. Fünning lassen sich bis 1913 noch drei weitere neue Schoner nachweisen:
1911 ERNA, 59 BRT, Kpt. O. Wendt, Pruchten
1911 HEDWIG, 40 BRT, Kpt. E. Meister, Ueckermünde
1913 POLARIS, 67 BRT, Kpt. C. Steinbrinck, Seedorf/Rügen

Im Jahre 1932 heuerte ein Gustav Gaede auf der Elise als Moses (Schiffsjunge) an. In einem Brief, der noch erhalten ist, schildert er die harte und aufopferungsvolle Arbeit an Bord.
Hier nun der Inhalt des Briefes, den mir Herr Gaede aus Hamburg freundlicherweise zur Verfügung stellte:
 
... Im Mai 1932 fuhr meins Mutter mit mir zu Tante Lisbeth nach Stettin, der Mann ihrer einzigen Tochter Klärchen hatte eins Möglichkeit herausgefunden, mich als Schiffsjungen anheuern zu lassen. Deutschland hatte damals 7 Millionen Arbeitslose, ich hatte sonst nur die Wahl, Heringsbändiger in dem Geschäft meines Vaters zu werden. Klaus Märker ging also mit mir los in die Baumstrasse am Hafen, in eins dunkle Hafenkneipe im Keller. Im Hinterzimmer saßen ein paar Schiffer, und ich wurde denen vom Wirt vorgestellt. Einer, mein späterer Kapitän, fragte mich, ob ich auch arbeiten könnte. Der Wirt bekam 5 RM für die Vermittlung. So wurde ich Moses auf einem 100 ton hölzernen Gaffelschoner. Wir luden in Stettin Briquettes nach Odense in Dänemark.

Am ersten Tage musste ich hoch oben den Fockmast im Bootsmannsstuhl hängend abkratzen. Meine Mutter kam noch einmal zum Hafen, um sich von mir zu verabschieden. Der Matrose ließ mich großzügig herunter dazu. Nachdem wir die Ladung genommen hatten, fuhren wir zuerst nach Altwarp am Stettiner Haff, wo der Schiffer wohnte und nahmen Proviant für die große Reise über die Ostsee.

Über Peene und Strelasund, an Barhöft vorbei und von Hiddensee aus fuhren wir in die Ostsee. Nebel kam auf, und ich musste stundenlang das Nebelhorn drehen, das war ein großer Holzkasten. Als der Nebel ganz weg ging, kam die Insel Falster in Sicht. Da holte der Schiffer die Schnapsbuddel raus, und wir drei tranken ein Glas selbstgemachten Ingwerschnaps. Das war wohl Tradition.

Im Grönsund ankerten wir und pilkten uns ein paar Dorsche, die musste ich dann sauber machen. Bei einer Petroleumlampe. Gegen 2 Uhr ging ich in die Koje und um 3 Uhr klopfte der Alte mit seinem Träsko an die Bordwand hinten in seiner Kabine, das konnte man im Logis vorne hören. "Rise Rise" brüllte mich der Matrose an, ich hatte natürlich vor Müdigkeit nichts gehört. Mit dem Pumpspill wurde der Anker kurzgehievt, der Motor angewärmt, wir hatten einen 2 Zylinder Glühkopf Motor (Deutsche Werke) von 24 PS. Der Motor sprang an, Anker hoch, Schoner- und Vorsegel hoch, und weiter ging die Reise.

In Odense drehten ich und der Matrose in 2 Tagen die 100 Tonnen Briquettes mit einer Handwinde aus dem Schiff. Zum an Land gehen stand mir am Abend der Sinn nicht mehr, ich war am Ende meiner Kraft. Die nächsten Häfen waren Halmstad -Stettin, Wismar, Svendborg, Veyle und immer zurück nach Stettin.

Bei der Heu- und Kartoffelernte musste ich in Altwarp helfen. Zu Weihnachten legte das Schiff dann auf, und der Schiffer meinte, ich wäre ja nicht so schlecht gewesen, ich könnte zu Ostern wieder mitfahren.

Aber ich hatte andere Schiffe aus Hamburg gesehen, die hatten Ruderhäuser und waren aus Eisen, die sahen mir schon besser an. 15 RM Heuer hatte ich bekommen, davon gingen aber 6 RM Sozialversicherung ab. Ich hatte aber keine Zeit gehabt, das Geld während der Zeit auszugeben. In Freizeit schlief ich immer wie ein Toter. Ich habe aber von der vielen schweren Arbeit keinen Schaden erhalten ...

Ölbild der Elise
Das Gemälde links befindet sich im Besitz Herrn Krügers.
Allen Beteiligten, vor allem Herrn Krüger, Herrn Gaede aus Hamburg und Herrn Karting aus Itzehoe meinen herzlichen Dank. Sofern ich mehr über das Schicksal des Bootes erfahren kann, will ich gern diese Seite ergänzen. Ganz besonders feute ich mich über die ergänzenden Angaben und Informationen von Herrn Herbert Karting.

Bildquellen: Herr Gerd Krüger - Altwarp, Herr Gaede - Hamburg

 

 

Die Heideleute von Babenhusen

Die Heideleute von Babenhusen, Egon von Kapher Düvelshusen = Altwarp?

... Hinter Hohenuhlenhorst aber beginnt die "Böse Wildnis" an einem Haff, dessen Wasser nicht süß und nicht salzig, dafür aber schmutzig ist, und in dieser "Wildnis" von Sand, Heide, Bruch und Unland liegt das Dorf Düwelshusen, ein Ort, den man nicht gern aufsucht, erstens, weil man schon beim Hinwege im Sande steckenbleibt, zweitens aber, weil man der Bevölkerung nicht gern begegnet. "Nach Düwelshusen beruft der Herr nicht", pflegte Pastor Kröger zu sagen, wenn davon die Rede war, dass Düwelshusen schon wieder mal seit zehn Jahren ohne Seelsorger sei, und wenn man davon sprach, dass Düwelshusen zwar eine Kirche, aber keinen Kirchturm habe, meinte Förster Brettschneider lächelnd, indem er den langen, grauen Bart strich, "den hemm’n se versapen, de Düwelshusener". Förster Bornemann aus Babenhusen aber meinte, das hätte eine eigene Bewandnis, und er würde die Geschichte schon erzählen, wenn sie wieder zum Kegelabend im "Roten Krug" zu Babenbollentin zusammenkämen – Förster Brettschneider, Pastor Kröger, Doktor Müller, Müller Hintze und er.
 
Als sie nun wieder, wie jeden Donnerstag, im "Roten Krug" zu Babenbollentin bei Köhm un Korn, Bier und Grog zusammensaßen, nachdem sie drei Stunden Kegel geschoben, dass die Gegend bullerte wie bei einem Gewitter, forderte Pastor Kröger den Babenhusener Förster auf, die Geschichte von Düwelshusen zu erzählen. Der ließ sich nicht lange nötigen, strich sich den borstigen Wachtmeisterschnauzbart glatt, nahm einen Zug aus dem vollen Glase und begann:
 
"Jawoll’n halwes Dusent Johr is’t woll her, orer woll noch’n poor hunnert Johr mihr, allens wier all farig, Land un See un Busch un Brook, un Menschen un Veeh, un de Stadt to Stralsund stünn all, un Stettin ook, un de Burg to Wollin un Wolgast un to Gützkow un Demmin, un de dütschen Dörper, wur de Nedderdütschen un de Hollandschen un de Friesen un de Flamen un Westfälinger jitzt sitten un wahnen deeden, un dat Land bebugten (bebauten) nah ehre Ort; blots hier am Haff un Achterwater herüm hockten noch entzelte Kaschuben un Wenden, un dat wieren, sacht de Öllervadders von unsen Kröger hier, as all denn sien Nam’ biseggen deht."
 
"Jawoll, ein halbes Tausend Jahre ist’s wohl her, oder wohl noch’n paar hundert Jahre mehr, alles war fertig, Land und See und Busch und Bruch, und Menschen und Vieh, und die Stadt zu Stralsund stand, und Stettin auch, und de Burg zu Wollin und Wolgast und zu Gützkow und Demmin, und die deutschen Dörfer, wo die Niederdeutschen und die Holländer und die Friesen und die Flamen und Westfalen jetzt sitzen und wohnen täten, und das Land bebauten nach ihrer Art; bloß hier am Haff und Achterwasser herum hockten noch einzelne Kaschuben und Wenden, und das waren, sacht der Großvater von unseren Kröger hier, as all denn sien Nam’ biseggen deht."
 
"Oho, oho!" rief Vater Rupnow hinter seiner Theke hervor, und Bauer Tetzlaff aus Trampow, der gerade mit Fleischermeister Retzlaff aus Siedenmöllenthin ein Geschäft gemacht hatte und es nun mit Bier und Branntwein begoß, protestierte. Aber weniger der Kassuben wegen, sondern wegen Düwelshusen, denn seine Familie stammte daher, und der Bauer hatte nach Trampow eingeheiratet, weswegen man ihn auch nur den Haffdüwel nannte.
Aber der Förster fuhr unbeirrt fort: "Schön dat wier nu so an däm. As de leewe Herrgott seeg, dat dor an Haff un Dün noch’n lerrigen witten Placken wier, wur noch der wendsche Fischerslüd mit Frugens un Kinner in ehre lütten Katen läwten – dat heet, mierstendeels wieren set tu fuul to’n Fischen, un läwten leewer von Rowen un Stählen un von Strandgood, un up ganz Usedom wier keeneen (nicht einer) säker för ehr – dor, so meent de Herrgott, wier dat an de Tied, dat ook dit Land würr mit richtige dütsche Minschen.
 
Aber der Förster fuhr unbeirrt fort: "Schön das war nun so an dem. Als der liebe Herrgott sagt, das dort am Haff und Düne noch’n leeren weißer Flecken war, wo noch die wendschen Fischersleute mit Frauen und Kindern in ihren kleinen Katen lebten – das heißt, meistenteils waren sie zu faul zum Fischen, und lebten lieber von Rauben und Stehlen und von Strandgut, und auf ganz Usedom war nicht einer sicher vor ihnen – da, so meint der Herrgott, war das an der Zeit, das auch dieses Land wird mit richtigen deutschen Menschen.
 
Äwer all de Erzengels un de Hilligen, de wohrschugten (warnten), un meenten: dit wier keen Land för Kurnbugen un vör Veehtucht, door sulln doch man de Seezigeuners un de Taters (Zigeuner) blieben. Un wassen deet dor gorniks nich up de witten Sanddünen, un alleen von Seerow (Seeraub) un von Stint un Plötz läben, dat wier niks för de Dütschen. – Un wildreß (während) se noch so rädten, dor keem de Düwel an, Seine höllische Pestilenz; de harr grad Utgahdag, un harr sick sienen sünndaghahmdagschen Utgahrock (Sonntagsnachmittagsausgehrock) antrocknen, un lange Büxen ook, weil dathe sick schenieren deeh wägen sienen Pierfoot.
 
Aber all die Erzengel und die Heiligen, die warnten, und meinten: das wär kein Land fürs Kornbauen und für Viehzucht, dort solln doch man die Seezigeuner und die Zigeuner bleiben. Und wachsen tät dort gar nix nicht auf den weißen Sanddünen, und allein von Seeraub und von Stint und Plötz leben, das wird nix für die Deutschen. – Und während sie noch so redeten, da kam der Teufel an, seine höllische Pestilenz; der hatte gerade Ausgehtag, und hatte sich seinen Sonntagsnachmittagsausgehrock angezogen, und lange Büxen auch, weil er tat sich schenieren wegen seinen Pferdefuß.
 
So keem he ook an de Vördähl von’n Häben, un hürt denn Herrgott sein Verhanneln mit seine Erzengels mit an. Un he mengelt (mischte) sick in dat Gespräch un segt: "Ich hew doch noch een Dörp fri in Pommern!" un dorbi stök he seine Näs in denn Herrgott sienen groten blagen (blauen) Saal. Äwer dor gew dat furts’n Rumoren, un de Herrgott schrigt: "Wist du woll rut, du Düwel, verstänkerst mi all mien scheunen Timmers (Zimmer)" un schickt denn Erzengel Michael nah Köln, üm man fixing ne grote Buddeel "Kölsch Water" to halen. He rädt äwer liekerst wierer mit em, man blots dörch’t Finster, un seggt:"Wenn di dat tokümmt, denn man los, äwer recht wat, wat’t woll nich warrn, un dat srgg ick di, ne Kirch’ hürt dor ook mit to, un mirrn in’t Dörp möt se stahn!’ Den Düwel paßt so wat nich, un he trök’n scheewes Muul, äwer sin’n müßt he sick dorin, denn he wull ook in Pommern finen Nam to Geltung bringen. Un he kreeg alle Tegelbrenners up, de von Ducherow un de von Ückermünn, un all de Brettschnieders von Jatznick un von Riet, un bugt un bugt, un in’n knappn Vierteljohr, dor herr he sein Dörp farig, un’t seeg ook ganz nett ut, un ook’ ne Kirch wier dorin, man blots, se harr keenen Torm, denn dat kunn he nich äwer sick bring’n von wägen dat Krüz, wat dor up de Spitz sitten sull.
 
So kommt er auch an die Vördähl von’n Himmel, un hört denn Herrgott sein Verhandeln mit seinen Erzengeln mit an. Und er mischte sich in das Gespräch und sagt: "Ich hab doch noch ein Dorf frei in Pommern!" und dabei steckt er seine Nase in den Herrgott seinen großen blauen Saal. Aber dort gew dat furts’n Rumoren, und der Herrgott schrie: "Willst du wohl raus, du Teufel, verstänkerst mir all mein schönes Zimmer" und schickt den Erzengel Michael nach Köln, um man fix ne große Buddel "Kölsch Wasser" zu holen. Er rädt aber trotzdem wierer mit em, man bloß durchs Fenster, und sagt: "Wenn dir das zu kommt, denn man los, äwer recht wat, wat’t woll nich warrn, und das sag ich dir, ne Kirche gehört auch mit dazu, und mitten in Dorf muß sie stehn!" Den Teufel paßt so was nich, und er zieht ein schiefes Maul, äwer sin’n müßt he sick darin, denn er will auch in Pommern seinen Namen zur Geltung bringen. Und er kriegt alle Ziegelbrenner auf, die von Ducherow und die von Ückermünde, und all die Brettschneiders von Jatznick und von Rieht, und baut und baut, und in’n knappn Vierteljohr, da hat er sein Dorf fertig, und sieht auch ganz nett aus, auch ne Kirche war darin, bloß, sie hatte keinen Turm, denn das kann er nicht über sich bringen von wegen das Kreuz, was da auf der Spitze sitzen soll.
 
Un so bugt man blot’s ne lütt höltern Klockenhut mit een lütt bleckern Glock, un dat wier denn dat Dörp ‚Düwelshusen’, un noch hütigen Dags, wenn sündags de Klock to Düwelshusen bimmeln deet, seggen se in de Nahwerschaft, de Düwelshusenschen häng’n woll denn letzten ihrlichen Minschen up, denn dat Gebimmel hürt sich bannig nah de Armsünnerglock an. Un denn schmitt ook woll een dat Wurt in: "In ganz Düwelshusen giwt dat keenen ihrlichen Spitzboben." Un denn argern sich de Düwelshusenschen, un känen doch nixnich gegen seggen, denn ihrliche Spitzboben wiern doch in de ganze Welt nich to fin’n."
 
Und so baut man blos ein kleines hölzernen Klockenhaus mit einer kleinen blechernen Glocke, und das wird dann das Dorf ‚Düwelshusen’, und noch heutigen Tags, wenn sonntags die Klock zu Düwelshusen bimmeln tät, sagen sie in der Nachbarschaft, die Düwelshusenschen hängen wohl denn letzten ehrlichen Menschen auf, denn das Gebimmel hört sich bannig nach der Armsünderglock an. Und denn schmitt ook woll een dat Wurt in: "In ganz Düwelshusen gibt dat keenen ehrlichen Spitzbuben." Un dann ärgern sich die Düwelshusenschen, und können doch nix dagegen sagen, denn ehrliche Spitzbuben sind doch in der ganze Welt nicht zu find’n."
 
Mitunter kommt auch ein Pastor nach Düwelshusen - aber, wie das eben in einem Düwelsdorf nicht anders sein kann: er hält’s nimmer lange dort aus und flüchtet in die Ferne. So kommt es, dass in Düwelshausen kein Kirchturm und meist auch kein Pastor ist. "Nach Düwelshausen beruft der Herr nich" sagte Pastor Kröger lachend. "
 
Äwer nu müßt de Düwel ook Minschen un Volk hebben in sein nieges Dörp, un dat wier nich so ganz licht, un lang nicht so licht as dat Bugen, denn mit’n Düwel wull sick keen ihrlich Christenmensch giern inlaten. Un so reist he denn rümmer äwert Land und langs denn Strand, un grep up, wat he kriegen künn in Mäklenborg un in Uckermark un in Pommern: Seeröwers un Strandröwers un Kaschuben un Waterpollacken, Zigeuners un Taters un allens, wat an de Wäg un an de Straten un in Busch un Brook herümmer lungern deeh", und siehe da: Düwelshusen gedieh, und sein Volk mehrte sich, und mehrere Branntweinbrennereien wurden reich an ihm, denn die Düwelshusener hatten immer Geld. Das das eigentlich Düwelsgeld war, merkte ja niemand, denn es sah ganz echt aus.
"Das ist also die Vorgeschichte von Düwelshusen", sagte Dr. Müller. Ja das ist sie. Als die große Sturmflut und das Seebeben war, dem die schöne Stadt Wollin und noch manch anderer Ort hier zum Opfer fielen, blieb Düwelshusen stehen, denn neun mal neunundneunzig Jahre hat sich der Satan als Schutzfrist ausgebeten und – auch bewilligt erhalten". So ergänzte Müller Hintze die Geschichte des Försters.
 
„Aber nun müßte der Teufel auch Menschen und Volk haben in seinen eigenen Dorf, und das war nicht so ganz leicht, und lange nicht so leicht als das Bauen, denn mit’n Teufel will sich kein ehrlicher Christenmensch gern einlassen. Und so reiste er denn rümmer übers Land und längs den Strand, und greift auf, was er kriegen kann in Mecklenburg und in der Uckermark und in Pommern: Seeräuber und Strandräuber und Kaschuben und Wasserpollacken, Zigeuners und Taters und alles, was an den Wegen und an den Straßen und in Busch und Bruch herum lungern tat", und siehe da: Düwelshusen gedieh, und sein Volk mehrte sich, und mehrere Branntweinbrennereien wurden reich an ihm, denn die Düwelshusener hatten immer Geld. Das das eigentlich Teufelsgeld war, merkte ja niemand, denn es sah ganz echt aus.
 
"Das ist also die Vorgeschichte von Düwelshusen", sagte Dr. Müller. Ja das ist sie. Als die große Sturmflut und das Seebeben war, dem die schöne Stadt Wollin und noch manch anderer Ort hier zum Opfer fielen, blieb Düwelshusen stehen, denn neun mal neunundneunzig Jahre hat sich der Satan als Schutzfrist ausgebeten und – auch bewilligt erhalten." So ergänzte Müller Hintze die Geschichtr des Försters. ...
 
... Wenn alte Männer – besonders aber Junggesellen – zusammen sind, mögen sie wohl ganz gern auch mal ein kleines bißchen klatschen und lästern. Und so kam es, dass Bornemann vom alten Gemeindeförster Kroppmann zu Düwelshusen erzählte, wie der in jungen Jahren im Frühjahr unter der Schar der Pflanzenarbeiterinnen gewirkt hätte wie der Gemeindebulle unter der Viehherde, dass in Düwelshusen kein Mensch wüßte, wer sein Vater sei, und alles so weit miteinander verwandt und verschwägert, dass mancher beihnahe ausrechnen könnte, er sei sein eigener Großvater und Schwiegeronkel zugleich. Nur was einer selbst sei, das sei noch keinem Düwelshusener gelungen auszurechnen und zu erkennen. ...
 
... aus: "Die Heideleute von Babenhusen", Heimatstube