Wie stellt sich die Situation in Altwarp dar?

Auf der Halbinsel fehlte 2010 jeder Hin­weis auf eine Biberpopulation. An der Ue­cker, auch im Sportboothafen Vo­gelsang-Warsin wurden sie schon vor länge­rer Zeit gesichtet und ihre Tätigkeit manchmal nicht gut geheißen. In Altwarp tauchten sie erst 2011 auf. Von woher sie eingewandert sind ist nicht be­kannt. Ob auch im benachbarten Polen welche in den Oderniederungen behei­matet sind, bleibt noch zu ergründen. Am Fuße des Kaulbarschberges haben sie sich zunächst angesiedelt. Eine Burg mitten im Schilfgürtel zum Neuwarper See entstand sehr schnell und viele Erlen wurden auch schon gefällt. Zum Leidwesen der Wanderer sieht man im Sommer, wenn das Schilf schon hoch gewachsen ist, die Burg nicht. Merkwürdigerweise sind Biber nicht in der Lage den Wasserstand des Haffs im Schilfgürtel zu regulieren. Durch Windrichtung bedingt, kann der Wasserstand des Haff's im Neuwarper See um ca. 50 bis 70 cm fallen oder steigen. Die Biber scheinen damit zurecht zu kommen.

Vielleicht ist deshalb die Burg neuerdings dort nicht mehr bewohnt. Auch die in der Nähe ge­fällten Baume wurden nicht "aufgearbei­tet", die Bisstellen sind schon älterer Na­tur. Jedoch führen "ausgetretene" Transportwege vom Ufer zur Burg und auch in Richtung Wasser.
Verschiedene Eingänge führen unter dem Wurzelwerk des Schilfes zur Behausung. Auf der dem Haff abgewandten Seite ha­ben die Biber nun ein Areal von ca. 3 bis 4 Hektar, dessen Abfluß ins Haff mündet, angestaut. Dort sind auch am Rande der Fläche etwa ein Dutzend Bäume gefällt worden. Neben Erlen, Weiden bevorzugt der Biber auch Birken. Selbst die bitteren und harten Eichen wurden gefällt. Danach sind die Baumrinden abgeschält worden, die Äste säuberlich vom Stamm getrennt und über Kanäle weggeschafft worden. Eine Biber­burg konnte in dem Areal noch nicht ausgemacht werden.

Über den Biber
Man muß Glück haben, um die Bewohner einmal sehen zu können. Besteht doch für die Biber Grund zur Vorsicht, denn der Mensch hat ihm in den letzten Jahrhunderten das Leben schwer gemacht. Rücksichtslos war die Jagd auf ihn. Sein zartes Fleisch war begehrt und besonders der Schwanz eine Delikatesse. Sein weiches Fell hielt warm und war Status­symbol zugleich. Vor allem bei Begüterten war die Nachfrage groß. Damit ließ sich viel Geld machen.
Der Biber war ursprünglich fast auf der ganzen nördlichen Halbkugel vertreten. Doch schon im 19. Jahrhundert existierten in Europa nur noch Restbestände an der unteren Rhône, mittleren Elbe, in Südnorwegen und an der polnisch-russischen Grenze.

Als er unter Schutz gestellt wurde, war es fast schon zu spät. Durch vor Jahrzehnten ein­geleitete Schutzmaßnahmen erholte und stabilisierte sich der Bestand an der mittleren Elbe wieder so gut, daß nun auch Niedersachsen und Brandenburg durch Abwanderung davon profitieren.
Ansonsten hat man andererseits versucht, durch Ansiedlung ihn in mehreren Gebieten Deutschlands wieder heimisch werden zu lassen. In Altwarp dagegen ist er zugewandert.

Aussehen
Nagetier, gedrungen wirkend, 20-30 kg schwer, mit Schwanz ca. 110-140 cm lang, breiter abgeplatteter, mit Hornschuppen bedeckter und unbehaarter Schwanz, der als Steuer so­wie als Fettdepot und zur Regulierung der Körpertemperatur dient, je nach Unterart brau­nes bis braun-schwarzes Fell, sehr dichte und weiche Unterwolle mit darüber liegenden Grannenhaaren, das Fell wird mit einem öligen Drüsensekret eingefettet, kleine braune Augen, vor die sich unter Wasser ein hauchdünnes Häutchen schiebt, die kurzen Ohren sind ebenfalls wie die Nase verschließbar, ausgezeichnetes Geruchssinn, sehr gutes Ge­hör, guter Tastsinn, Vorderpfote mit 5 relativ kurzen Zehen und ziemlich langen Krallen dient zum Greifen von Gegenständen und zum Scharren von Gängen, Hinterpfote mit 5 längeren Zehen und kürzeren stumpfen Krallen ist mit Schwimmhäuten versehen, Beson­derheit ist eine als Putzkralle bezeichnete Doppelkralle an der 2. Zehe, die mit einer oran­geroten harten Schmelzschicht versehenen paarigen Nagezähne wachsen ständig nach, die Backenzähne unterliegen der Abnutzung.

Fortpflanzung
Mit ca. 3 Jahren geschlechtsreif, Paarung: Jan. - März im Wasser, Tragezeit: 105-107 Tage, 1 Wurf pro Jahr, 1-5 Junge, behaart, mit offenen Augen, können sofort schwimmen,  mit 2 Jahren verlassen die Jungen die Familie, werden 12-17 Jahre alt (im Zoo älter).

Lebensraum
Bevorzugt langsam fließende oder stehende Gewässer mit reichem Uferbewuchs oder ausgedehnten Auewäldern, akzeptiert aber auch andere Gewässertypen und versucht, sie seinen Bedürfnissen entsprechend zu verändern, da anpassungsfähig kann er auch in ehemaligen Tagebauen und Kiesgruben sowie in Entwässerungsgräben und Ackergebie­ten siedeln, erforderlich ist eine Wassertiefe, die das Gewässer im Winter nicht bis auf den Grund gefrieren und im Sommer nicht austrocknen läßt.

Voraussetzungen für eine Biberansiedlung:
- ausreichende Wasserfläche und -tiefe
- geeignete Ufer für Wohnbauten
- ausreichende Nahrungsgrundlage
- keine unmittelbare Störung seiner Aktivitäten

Lebensweise

Vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, als guter Schwimmer und Taucher bleibt er meist nur 2-3 min. unter Wasser, kann aber auch bis 15 min. abtauchen, lebt monogam im Familienverband, dem oft 2 Generationen Jungtiere angehören, wenn Lebensraum groß genug ist, kann auch eine Biberkolonie mit mehreren Familien bestehen, normalerweise unternehmen geschlechtsreife Jungtiere Wanderungen bis 100 km und darüber hinaus, Reviergröße ist abhängig von Gewässergröße bzw. Lebensraumqualität und kann 100 m an Seen und bis 3000 m an Fließgewässern betragen, Revierkämpfe werden ausgetra­gen, auch mit Verletzungen, nach Reviergründung ortstreu, dadurch existieren Reviere oft über Generationen, Markierungen werden mit Bibergeil gesetzt, kein Winterschlaf, aber u. U. wochenlang im Bau, ausgeprägtes Sozialverhalten.

Nahrung
Pflanzenfresser, Pflanzenangebot je nach Jahreszeit in und am Wasser, Sommer: vorwie­gend Kräuter, auch Feldfrüchte, Winter: vorwiegend Zweige und Rinde, 150-300 verschie­dene Pflanzenarten, mit Vorliebe Pappeln, Weiden und Seerosen, aber auch andere wei­che Hölzer wie Erle, Birke, Ulme, Traubenkirsche, braucht als erwachsenes Tier pro Jahr etwa 7,5 cbm Hölzer und Pflanzen als Nahrungsgrundlage, deponiert Wintervorräte in Nahrungsflössen vor den Wohnbauten unter Wasser.

Bautätigkeit
Als fleißiger Wasserbaumeister gestal­tet sich der Biber durch Burgen-, Dam­m- und Kanalbauten dort seinen artty­pischen Lebensraum, wo er ihn von der Natur nicht in der Weise angebo­ten bekommt. Bei ausreichend hohen Fluß- oder Bachufern werden schräg nach oben führende lange Gänge mit einem über der Wasserfläche liegen­den kugeligen Wohnkessel gegraben. An seichteren Gewässern entstehen mächtige geräumige Burgen aus Äs­ten, Schilf und Schlamm, deren 1-2 Wohnkammern schon einen Durchmesser von 1,20 m und eine Höhe von einem halben Meter haben können. Dazwischen gibt es viele Mischformen, denn von oben eingebrochene oder überschwemmte Erdbaue legen die Biber oft einen Stockwerk höher und dichten sie von oben ebenfalls mit Zweigen, Schilf und Schlamm ab.

Es wird dann zwischen Erdbau, Mittelbau und Hochbau unterschieden. Die Temperatur­schwankungen in diesen Reisig- und Erdbauwerken sind relativ gering. Allen Bauformen ist gemeinsam, daß der Wohnkessel - ausgepolstert mit Nagespänen - über der Wassero­berfläche liegt, während der Biber bemüht ist, die Eingangsröhren ständig und ganzjährig unter Wasser zu halten.
Dammbauten entstehen, um den Wasserstand auf ein für den Biber erforderliches Maß anzuheben und zu regulieren. Dabei wird durch Einbau von Zweigen und Ästen sowie Ver­wendung von Baumstämmen und Steinen Standfestigkeit erreicht. Das Baumaterial findet er vor seiner Haustür. Dank seiner Nagezähne, die er als kräftiges Werkzeug einsetzt, fällt er Bäume von 40-50 cm Stärke ohne große Anstrengung und in relativ kurzer Zeit. Je nach Standort des Baumes setzt er die Bißkerben etwa 50 cm über dem Boden entweder ein­seitig oder in Sanduhrform an.
Wenn für den Transport des Baumaterials oder der Nahrungsvorräte relativ weite Strecken zurückgelegt werden müssen, benutzt der Biber Kanäle. Es ist erstaunlich, wie er durch ein Labyrinth von Kanälen und Dämmen seinen Lebensraum zu seinem Nutzen gestaltet und dabei auch noch anderen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum schafft

Und sonst noch
Ungemütlich wird er, sollte ihm ein Artgenosse das Revier streitig machen. Infektionen durch zugefügte Verletzungen sind dann eine häufige Todesursache bei Bibern. Weitere Abgänge erfolgen durch Hochwasser, Krankheiten und Nachstellungen durch den Men­schen.

Trotz aller Bestandserholungen und Neuansiedlungen gehört der Biber in Deutschland im­mer noch zu den vom Aussterben bedrohten Tieren. Aber er setzt sich durch und macht sich damit nicht immer beliebt. Der Biber beansprucht, bedingt durch seine Lebensweise, die ufernahen Bereiche von  Gewässern und gerät dabei in Konflikt zur Landnutzung des Menschen.

Hat der Mensch jedoch bedacht, welche Rolle eigentlich naturnahe Gewässer und ihre Au­enbereiche im Naturhaushalt und damit auch für ihn selbst haben? Ein intakter Auenbe­reich bestimmt, abgesehen vom natürlichen Hochwasserschutz, zum großen Teil die biolo­gische Wirksamkeit und die Selbstreinigungskraft des Gewässers. Von der Renaturierung und dem Schutz der Auenbereiche profitieren also nicht nur der Biber und viele andere Tierarten, sondern auch der Mensch.
In Altwarp traute sich der Biber sogar bis in den Hafenbereich vor, zum Ärgerniss des Hafenmeisters. Denn ihm fielen auch erst vor Jahren gepflanzte Ziergehölze zum Opfer.

Quelle: http://www.rivernet.org/elbe/biber/biber.htm, Bilder: Fremdenverkehrsverein